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Wolfgang Bauer - Ein Langer Marsch

wunderschönes, naja okay, net grade wunderschönes, aber lässiges naja, auch net so richtig, egal, urteilt selbst. ach so, gedicht wollt ich noch sagen/schreiben;-) des ich für die schule interpretieren muss*grrrrr*

 

Ein langer Marsch – Wolfgang Bauer

Oft
mache ich einen langen Fußmarsch

durch meine Wohnung

über die Ebenen der Spannteppiche schreite ich

Staub wirbelt auf

silbrig tanzende Säulen zwischen Kakteen

halte am leiernd rauschenden Strudel des Plattenspielers

träumend seiner donnernden Welt-Musik lauschend

wie die Natur Kunst macht

grüble ich

später vorbeischlendernd an der Steppe des Schreibtisches

den Kreidefelsen der Papierschichten

den Zigarettenschachteln Buntstiften

den ungeordneten Blumenbeeten auf dem Tischtuch

in das „Blumen“ gestickt sind

vorbei an herumliegenden bruchgelandeten Brieftauben

ihren Markierungen

auf denen tropische Vögel abgebildet sind

an den leeren Kaffeeschalen

die eher verwittert

als uralte Steingräber herumstehen

bis hin zur Steilstufe der rotbraunen Kredenz

(eine Spinne erklimmt sie gerade mühsam)

blinzle kurz in die Lampensonne

und biwakiere längere Zeit in der gefährlichen Nordwand

meiner Bücher

finde ein seltenes Beckett-Edelweiß

blättere vorsichtig darin

 

Nach einer kurzen Rast am Rande des Klosetts

durchquere ich den finsteren Canyon des Vorzimmers

Kleidergebüsche streifend

gelange ich

bereits etwas durstig

zu den Geysiren der dampfenden Kochtöpfe

erfrische mich kurz an den sprudelnden Wasserfällen

meiner Yellowstone Einbau-Küche

erreiche erschöpft die Arktis des Kühlschranks

erquicke mich am eisig rauchenden Wacholdersaft

genieße die idyllische Aussicht zum putzigen Hinterhof

in dem Splittergruppen von Komanchen und Sioux

wie in alten Zeiten

Kriege führen

In Schatten von Plastikkastanien

Das Tonic zischt

Kohlensäurebläschen vergehen knallend vor meinem Blick

 

Gestärkt wandere ich weiter

bis hin zur weiten verschneiten Senke des Schlafzimmers

Die Hügel und Täler des Bettes!

Diese sanften Kuppen!

weich von den Federn verstorbener Raubvögel

und mitten drin die geschminkte Eskimofrau

auf dem Eisbärenfell

die mich auf wohlgeschnitzten Augen

zum Verweilen einlädt

in ihrem warmen Zelt

 

Die Friedenspfeife rauchend

starren wir fassungslos

in die im Fernsehen untergehende Sonne

in den Drehungen unserer Liebe

verscheucht mein Fuß einen Uhu

den zu Boden fallenden Wecker

krrrrrrrrrr!

 

11.12.06 20:12
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mariechen (2.1.07 15:38)
find ich klasse, das gedicht.
nur ein bisschen unübersichtlich zu lesen... lg

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